Presseinformation E-Health Gesetz - Gesetzentwurf bleibt trotz richtiger Intention hinter Erwartung zurück

Hamburg, den 11.02.2015 - Die Gesundheitswirtschaft ist einer der Wachstumstreiber in Deutschland. Nicht nur für Beschäftigung, sondern auch für den Bereich der Technologie. In der ganzen Welt entstehen neuartige Lösungen, mit denen die Eigenverantwortung von Patienten gestärkt wird, die Effizienzgewinne für Gesundheitssysteme generieren und die dabei helfen können, das 21. Jahrhundert mit all seinen Herausforderung einer älter werdenden Gesellschaft zu meistern. Diese Entwicklungen greift der vorliegende Entwurf zum E-Health Gesetz nicht auf und wird damit den aktuellen Marktgegebenheiten in keiner Weise gerecht.

Vergleicht man den Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen mit den Inhalten des vorgelegten Entwurfs des E-Health Gesetzes, so bleibt dieser stark hinter den Erwartungen zurück. "Ein Medikationsplan auf Papier im Jahr 2016 entspricht nicht unserem Verständnis an ein digitales Zeitalter im deutschen Gesundheitswesen, sondern die elektronische Verfügbarkeit für die Patienten - jederzeit und überall", sagt Olaf Heinrich, Vorstand des EAMSP. Während der Gesetzentwurf zum Beispiel beim Medikationsplan zu restriktiv ist, so haben nur Patienten Anspruch auf einen Medikationsplan, die mindestens fünf verordnete Arzneimittel erhalten, ist er an anderer Stelle zu unkonkret. Es gibt keinen Termin, bis wann die gematik die technischen Verfahren und Komponenten der Authentisierung und der Durchsetzung der Zugriffsrechte auf die Daten des elektronischen Rezepts festlegt.Im europäischen Ausland gibt es eine Vielzahl an erfolgreichen, patientenfreundlichen und sicheren Modellen. Diese werden offenbar nicht als geeignet angesehen, denn man konzentriert sich in dem Gesetzesentwurf auf Insellösungen. Dabei könnte man von den Erfahrungen aus dem Ausland profitieren, denn Länder wie Dänemark und die Schweiz sind Deutschland auf dem Gebiet E-Health weit voraus. In Dänemark laufen große Teile des Gesundheitssystems über das Portal sundhed.dk, das es seit 1993 gibt. Die Patientinnen und Patienten können mit einem Passwort zum Beispiel auf ihre Krankenakte oder Verschreibungen zugreifen, ebenso wie die Ärzte oder Apotheker. Ziel ist es, dass die Daten den Patienten Sektor übergreifend begleiten, zur Steigerung der Versorgungsqualität für Patienten und Leistungserbringer. Die Herstellung von übergreifender Interoperabilität zwischen den einzelnen Beteiligten des Gesundheitswesens wird damit zum zentralen Element der dänischen eHealth-Strategie.In der Schweiz erfolgte die erfolgreiche Umsetzung eines elektronischen Rezeptes schon vor Jahren. Es brachte mehr Sicherheit, mehr Transparenz und mehr Effizienz in das Gesundheitssystem und bietet erheblichen Mehrwert für den Patienten. Das elektronische Rezept hilft, die herkömmlichen Prozesse zwischen Arzt, Patient, Apotheker und Krankenversicherung zu verändern. Neben den Einsparpotenzialen trägt das elektronische Rezept zusätzlich zur Compliance-Erhöhung beim Patienten bei, denn der Arzt erfährt, ob und wann das Rezept eingelöst wurde. Der Nutzen für den Patienten und das Gesundheitssystem liegt auf der Hand."Wir hoffen, dass das deutsche E-Health Gesetz noch optimiert wird, damit es dem System und allen Beteiligten Chancen eröffnet. In seiner jetzigen Form reicht es nicht aus, um den Rückstand in diesem Bereich gegenüber anderen europäischen Ländern aufzuholen und die medizinische und pharmazeutische Versorgung insbesondere in ländlichen Räumen zu verbessern", erklärt Klaus Gritschneder, Vorstand des EAMSP.